Ein Kind steht mit einem Wanderstock auf einer grünen Wiese in Bad Feilnbach, mit Blick auf die Hügel am Farrenpoint.
1970er. Frank Ahlert mit dem Wanderstock, den ihm sein Opa geschnitzt hatte, auf einer Almwiese mit Blick Richtung Farrenpoint.

Frank Ahlert: Feilnbach ist mein zweites Zuhause.

Diese Geschichte beginnt im Zweiten Weltkrieg: Während ihrer Kriegsgefangenschaft freundeten sich die beiden Soldaten Georg und Hans an. Bemerkenswert dabei ist, dass der eine ein „Preuße“, der andere ein Oberbayer war.
Der Preuße Georg stammte ursprünglich aus Osnabrück und war mein Opa. Der Oberbayer Hans kam aus Feilnbach und wurde zu seinem besten Freund.
Diese Freundschaft hielt über viele Jahrzehnte und ging über die beiden weit hinaus, denn die Ehefrauen verstanden sich ebenso gut; und auch die Kinder der beiden Paare und die Enkelkinder schlossen Freundschaften. Aus einer schlimmen Zeit ist also etwas Großartiges hervorgegangen – bis heute.
Als Enkelkind von Georg und Agnes war ich schon früh in Feilnbach in den Ferien, und das meist in der Frühstückspension „Haus Abfalter“, welche Hans und Anneliese seit 1960 betrieben.

Eine fröhliche Gruppe genießt oberbayrische Gastfreundschaft bei Kaffee und Gebäck in Bad Feilnbach.
Im Haus Abfalter: Hans und Anneliese, Georg, Urlaubsgast, Agnes in den 1970er Jahren

Auch im Winter war ich mit meinen Eltern in Feilnbach.
Bei der Hoferalm gab es einen kleinen Skihang. Unterhalb der Sprungschanze. Aber Skifahren konnten nur die Einheimischen. Wir rodelten meist. Wir wohnten am Niederrhein, in Büttgen-Vorst; da gibt es keine Berge.

Ein ganz junger Skifahrer genießt 1975 einen verschneiten Hang mit Blick auf Bad Feilnbach und die winterliche Landschaft.
Der Versuch Ski zu fahren – an der Hoferalm. 1975.

Im Sommer wanderten wir hinauf in die Berge, zu den Almen, Wiesen und Wäldern. Die Wirtsalm war immer erste Anlaufstation. Was taten mir die Füße weh in den Sandalen. Und wie weit der Weg war! Für Kinder unendlich weit. Und wie groß die Kühe waren! Für Kinder riesengroß. Und tatsächlich: meist schien die Sonne im Sommerurlaub. Ob es wirklich keinen Regen gab?
Als meine Schwester groß genug war, ist sie auch mit nach Bad Feilnbach gefahren.

Kistlerwirt, Aumanwirt, Hoferalm, Jenbachkeller, Wirtsalm, Tregleralm, Schuhbräualm, Hatzlstüberl, Bärenstubn (mit einem echten ausgestopften Bären!) – überall sind wir eingekehrt. Und überall hat’s geschmeckt. Für uns Kinder gab’s dann eine Limo und, als wir älter wurden, auch eine Spezi, die Erwachsenen tranken auch mal ein Bier. Wir hatten die für uns exotischen Bierdeckel gesammelt.

Mein Opa hat mir mal einen Wanderstab selber geschnitzt, um mir den Weg hoch zur Wirtsalm schmackhaft zu machen – es hat geklappt. Die Rinde wurde kunstvoll eingeritzt, so dass schöne Muster rundherum entstanden. Ich war sehr stolz auf diesen Stock.

Im Rückblick erinnere ich mich noch an die Stühle im Biergarten oder auf Terrassen: das waren meist Stühle, deren Sitzfläche und Rückenlehne aus aneinandergereihten, um die Kantenrohre gewickelten bunten Kunststoffschnüren bestanden. An den nackten Beinen hatte man dann nach dem Aufstehen diese Abdrücke auf der Haut.

In meiner Erinnerung taucht der Tatzlwurm auf, das Sudelfeld, der Wendelstein mit Zahnradbahn, irgendein See (vermutlich der Chiemsee), und vieles mehr...

Mein Lieblingsbrunnen war der vor dem Supermarkt der Familie Glück: Das war ein großer, ausgehöhlter Baumstamm, wo die Äste noch in Ansätzen zu erkennen waren.
Überhaupt war für uns Kinder die Beschäftigung mit Wasser ein toller Zeitvertreib. Was haben wir ganze Nachmittage am Jenbach bei den Staustufen gespielt. Schwimmen passte nicht immer – das Wasser war nämlich ziemlich kalt. Aber Staudämme aus den vielen Steinen bauen, das ging. Picknickdecke, Plastikkühlbox mit Essen und Trinken: das war das Paradies.

Meine Großeltern kamen später regelmäßig in den Genuss der Kuren in Bad Feilnbach. Dafür war ja Bad Feilnbach seit 1975 weithin berühmt: Moorbäder in den zahlreichen Kurkliniken und -häusern aus eigenem Moorabbaugebiet im Norden. Zahllose Kurgäste kamen nach Bad Feilnbach, um sich hier zu erholen und Heilung oder zumindest Linderung zu erfahren. Alles in schönster Landschaft, mit bestem Essen und genügend Unterhaltung, zum Beispiel bei Heimatabenden mit Schuhplatteln und zünftiger Musik. Der Kurbetrieb war die Basis für den Aufschwung in Feilnbach. Heute sind es die sportlichen Aktivitäten („Kraxln“, „Radln“,...) und die vielen Möglichkeiten für Familienurlaube und Urlaube für jedes Alter. Feilnbach hat sich gut entwickelt. – Aber ein bisschen Wehmut schwingt bei mir schon mit.

Zwei Kinder spielen im Bachbett von Bad Feilnbach, erkunden Steine und Wasser in oberbayrischer Landschaft.
Ganze Nachmittage haben wir am Jenbach gespielt. 1975.

Das Haus Abfalter war etwas Besonderes: Annliese hat sich um all ihre Pensionsgäste gekümmert. Legendär für mich war die Durchreiche von der Küche zum Frühstücksraum. Runde (!) Brötchen gab‘s (Semmeln) und Honig aus einem Honigspender (der funktioniert übrigens immer noch!) - alles war neu für uns Kinder. Unter den Pensionsgästen haben sich auch Bekanntschaften entwickelt. Man verabredete sich für einzelne gemeinsame Tagesausflüge rund um Feilnbach, verabredete sich zum Abendessen in einer Gaststätte oder traf sich abends noch zu einer gemütlichen Runde im Frühstücks-/Aufenthaltsraum. Der Urlaub im Haus Abfalter wurde dann manchmal terminlich abgesprochen, damit man sich im nächsten Jahr wiedersehen konnte.

Aber was mich immer noch nach all den Jahren beeindruckt, ist der besondere Geruch: Haus Abfalter hat einen eigenen Geruch, die Wälder ebenso, am Bach riecht es anders, die Bauernhöfe sowieso – ich glaube, wenn man mich mit verbundenen Augen dort absetzte, würde ich am Geruch sofort zu erkennen, dass ich in Bad Feilnbach bin. Das ist alles intensiver als bei uns zuhause. Und das bitte ich jetzt nicht, falsch zu verstehen. Ähnliches habe ich nur bei unseren Urlauben in der Provence erlebt.

Der Kistlerwirt in Feilnbach suchte einen Lehrling und fand ihn schließlich in meinem Onkel Manfred, Sohn von Agnes und Georg, der gerne Koch lernen wollte. Die Verzahnung mit Feilnbach lief ganz natürlich weiter. Es war für ihn die beste Schulung: Nicht nur die fachliche Seite, sondern auch die menschliche Seite dort haben ihn geprägt. Seine alte Chefin Elisabeth Kaffl mit ihrer Schwester Kathi, die wir übrigens immer wieder besuchen, redet noch heute von ihm.
Überhaupt sind die Feilnbacher sehr herzlich und gastfreundlich. Fremde, Touristen, Urlauber, Sommerfrischler oder Kurgäste sind für sie kein notwendiges Übel, sondern seit jeher auch eine soziale Bereicherung. Jedenfalls ist das mein rein subjektiver Eindruck.

Die Freundschaft der beiden Familien Abfalter/Müllauer und Ahlert dauert bis heute an. Einst waren es Agnes und Anneliese (und manchmal auch die beiden Männer), die sich über viele Jahre sonntags um 11 Uhr wechselseitig anriefen, um sich über die neuesten familiären und dörflichen Entwicklungen auszutauschen. Jetzt sind es die Nachkommen, die sich austauschen, und das meist tatsächlich auch wieder per Telefon. Bärbel und Hans, die Kinder von Anneliese und Hans, sind unsere Freunde. Meine Frau Magdalena hat sich auch in diesen Ort verliebt. Einmal im Jahr sind wir hier in unserer zweiten Heimat. Wir sind dann hauptsächlich unterwegs mit unseren Mountainbikes. Dies sind reine M-Bikes, also „Muskel-Bikes“. Und natürlich geht unsere erste Fahrt traditionsgemäß immer hoch zur Wirtsalm. Der Brunnen am oberen Zugang zur Wirtsalm sieht übrigens noch genau so aus wie auf dem Foto aus dem Jahr 1975.
Ich habe natürlich noch viel mehr Erinnerungen an diesen besonderen Ort. Und ich hoffe, dass auch Sie ein paar Erinnerungen teilen möchten.

Teilen Sie gerne mit uns die pure FeilnbachFreude!

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